Namen und Orte intelligenter finden

Mit der Version 1.9.6.3 hat unsere Genealogie-Anwendung eine der bislang umfangreichsten Erweiterungen erhalten.

Ausgangspunkt war eigentlich eine einfache Frage:

Was passiert, wenn ein Familienname in historischen Quellen unterschiedlich geschrieben wurde?

Wer sich länger mit Ahnenforschung beschäftigt, kennt das Problem nur zu gut. Aus Maier wird Meier, Mayer oder Meyer. Aus Menzel kann Mensel oder Mentzel werden. Ein Pfarrer, Standesbeamter oder Schreiber notierte einen Namen so, der nächste wenige Jahre später etwas anders.

Für eine moderne genealogische Suche reicht es deshalb nicht aus, ausschließlich nach exakt identischen Schreibweisen zu suchen.

Namensvarianten werden berücksichtigt

Die Anwendung kann nun alternative Schreibweisen von Familiennamen miteinander verknüpfen.

Wird beispielsweise hinterlegt, dass

  • Schmidt – Schmitt – Schmid

Varianten eines Namens sein können, spielt es keine Rolle mehr, mit welcher dieser Schreibweisen die Suche begonnen wird.

  • Eine Suche nach Schmidt berücksichtigt auch Schmitt.
  • Eine Suche nach Schmitt berücksichtigt wiederum Schmidt.

Dabei handelt es sich ausdrücklich um eine Suchfunktion. Die Anwendung behauptet damit nicht, dass Menschen mit diesen Schreibweisen automatisch zur gleichen Familie gehören.

Die Varianten helfen vielmehr dabei, historische Spuren nicht deshalb zu übersehen, weil ein Name in einer Quelle anders geschrieben wurde.

Keine unkontrollierte Ähnlichkeitssuche

Uns war wichtig, die Suche trotzdem nicht zu großzügig werden zu lassen.

Wer nach Schmidt sucht, soll beispielsweise nicht plötzlich Ergebnisse für Schmidthöfer erhalten, nur weil beide Namen ähnlich beginnen.

Varianten werden deshalb nicht allein aufgrund einer sprachlichen oder technischen Ähnlichkeit miteinander verbunden.

Sie stammen entweder aus den importierten genealogischen Daten oder werden vom Administrator bewusst ergänzt.

Damit bleibt die Entscheidung beim Forscher.

Varianten aus genealogischen Programmen übernehmen

Viele genealogische Programme bieten Möglichkeiten, alternative Schreibweisen oder weitere Namensformen zu hinterlegen. Die verwendeten Begriffe und die technische Umsetzung unterscheiden sich jedoch je nach Software.

Soweit solche Informationen beim GEDCOM-Export mit ausgegeben werden, kann unsere Anwendung sie erkennen und für die Suche übernehmen.

Die Anwendung soll dabei bewusst nicht von einem bestimmten Genealogieprogramm abhängig sein. Entscheidend ist vielmehr, welche Informationen über die GEDCOM-Datei zur Verfügung gestellt werden.

Zusätzlich können Varianten jederzeit manuell ergänzt werden.

Ein wichtiger Grundsatz bleibt dabei bestehen:

  • Manuell gepflegte Ergänzungen bleiben auch nach einem späteren GEDCOM-Import erhalten.

Importierte genealogische Daten und zusätzliche Informationen der Anwendung werden bewusst getrennt verwaltet.

Vorname und Nachname werden getrennt gesucht

Auch die Personensuche wurde deutlich erweitert und damit optimiert.

Statt eines einzigen Suchfeldes stehen nun getrennte Eingaben zur Verfügung:

  • Vorname | Nachname

Dadurch kann beispielsweise gezielt nach

  • Johann Menzel

gesucht werden.

Die Variantenlogik wird dabei ausschließlich auf den Nachnamen angewendet. Eine Suche nach einem Vornamen führt also nicht automatisch zu ähnlich klingenden Vornamen. Bei Familiennamen können dagegen die hinterlegten Varianten berücksichtigt werden.

Damit wird die Suche präziser und gleichzeitig flexibler.

Historische Ortsnamen gehören ebenfalls zur Genealogie

Das gleiche Problem begegnet uns bei Orten.

Grenzen verändern sich. Staaten verändern sich. Ortsnamen werden umbenannt oder in eine andere Sprache übertragen.

Bekannte Beispiele sind:

  • Stettin – Szczecin
  • Schwetz – Świecie
  • Danzig – Gdańsk

Für genealogische Forschung ist dabei nicht nur der heutige Name interessant.

Wenn eine Person beispielsweise im damaligen Westpreußen lebte, soll diese historische Einordnung auch als solche erhalten bleiben.Unsere Anwendung ist deshalb darauf vorbereitet, historische und heutige Ortsbezeichnungen miteinander zu verbinden.

Mehr als 1.000 historische Ortsbezeichnungen bereits übernommen

Ein besonders wichtiger Schritt war die automatische Übernahme eines umfangreichen Bestandes deutscher und historischer Ortsbezeichnungen aus Gebieten des heutigen Polen.

Mehr als 1.000 Ortsbezeichnungen wurden bereits automatisch eingelesen und stehen damit für die weitere Zuordnung und Suche zur Verfügung.

Das bedeutet: Der Anwender muss nicht jeden historischen Ortsnamen selbst von Hand erfassen.

Neben dem historischen deutschen Ortsnamen können unter anderem auch folgende Informationen berücksichtigt werden:

  • heutiger Ortsname
  • historischer deutscher Kreis
  • historische Provinz oder Region
  • heutiges Land
  • Quelle der Zuordnung

So kann eine Suche beispielsweise sowohl nach Stettin als auch nach Szczecin zum gleichen geografischen Ort führen. Gleichzeitig bleibt die historische Verwaltungseinordnung erhalten.

Ein Ort, der seinerzeit im Kreis Schwetz in Westpreußen lag, soll auch mit dieser historischen Zuordnung dokumentiert werden und nicht ausschließlich mit einer heutigen polnischen Verwaltungsbezeichnung.

Damit verbindet die Anwendung zwei wichtige Anforderungen:

die historische Wirklichkeit bewahren und gleichzeitig mit heutigen Bezeichnungen auffindbar bleiben.

Namen, Orte und Länder getrennt verwalten

Die Variantenverwaltung wurde dafür im Administrationsbereich neu strukturiert.

Sie unterscheidet nun zwischen:

Namen | Orte | Länder

Damit lassen sich unterschiedliche Arten historischer Bezeichnungen sauber voneinander trennen. Auch bei Ländern können historische und heutige Bezeichnungen miteinander verbunden werden, ohne die ursprünglichen Angaben in den genealogischen Daten zu verändern.

Kontrolle durch den Administrator

Bei allen Varianten behält der Administrator die Kontrolle. Bereits vorhandene Zuordnungen werden erkannt. Wird beispielsweise versucht, eine bereits bestehende Verbindung zwischen Mayer und Meier erneut anzulegen, weist die Anwendung darauf hin, dass diese Variante bereits vorhanden ist.

So sollen unnötige Doppelungen vermieden werden. Zusätzlich können die gepflegten Varianten über eine eigene Druckfunktion kontrolliert und dokumentiert werden.

Gerade bei größeren genealogischen Datenbeständen wird daraus nach und nach ein eigenständiges Werkzeug zur Qualitätssicherung.

Mehr als nur eine Suchfunktion

Was zunächst wie eine kleine Komfortfunktion klingt, ist technisch und genealogisch eine recht große Erweiterung.

Denn eine Genealogie-Anwendung sollte historische Daten nicht einfach nur anzeigen.

Sie sollte verstehen können, dass

  • Menzel und Mensel
  • oder
  • Stettin und Szczecin

unterschiedliche Schreibweisen beziehungsweise Bezeichnungen sein können, ohne daraus eigenmächtig eine genealogische Tatsache abzuleiten.

Genau hier liegt für uns der Unterschied zwischen einem einfachen GEDCOM-Viewer und einer Anwendung, die den Forscher tatsächlich bei seiner Arbeit unterstützt.

Ein weiterer großer Entwicklungsschritt

Version 1.9.6.3 ist deshalb trotz der unscheinbaren Versionsnummer eine der bislang umfangreicheren Weiterentwicklungen unserer Anwendung.

Die neue Variantenlogik, die getrennte Suche nach Vor- und Nachnamen, die dauerhafte Verwaltung eigener Ergänzungen, die automatische Übernahme historischer Ortsbezeichnungen sowie die neue Struktur für Namen, Orte und Länder greifen nun ineinander.

Unser Ziel bleibt dabei unverändert:
Genealogische Daten sollen nicht nur gespeichert und angezeigt werden. Sie sollen so erschlossen werden, dass historische Zusammenhänge leichter gefunden werden können.
Und manchmal beginnt eine große Erweiterung eben mit einer ganz kleinen Frage:
„Was passiert eigentlich, wenn Maier plötzlich Meier heißt?“