Die Schrift unserer direkten Vorfahren: sie ist schön!
Wer sich mit Ahnenforschung beschäftigt, begegnet früher oder später einem Dokument, das zunächst vollkommen unlesbar erscheint. Man erkennt einzelne Linien, Schleifen und Haken – doch aus den Zeichen wollen einfach keine Wörter entstehen.
Häufig handelt es sich dabei um die deutsche Kurrent- oder Sütterlinschrift. Diese Schrift war für frühere Generationen ein selbstverständlicher Bestandteil des Alltags. Briefe, Tagebücher, Schulhefte und persönliche Aufzeichnungen wurden ebenso darin verfasst wie Eintragungen in Kirchenbüchern und anderen historischen Unterlagen.
Heute können jedoch nur noch wenige Menschen diese Schrift sicher lesen. Damit bleiben viele Dokumente verschlossen, obwohl sie wichtige Informationen über unsere Vorfahren enthalten.
Ein kleiner Zugang zu einer fast vergessenen Schrift
Aus diesem Grund haben wir ein kleines Buch über die Sütterlinschrift zusammengestellt. Es soll einen verständlichen Einstieg bieten und zugleich zeigen, weshalb diese Schrift für die Ahnenforschung noch immer von großer Bedeutung ist.
Das Buch behandelt unter anderem:
- die Entwicklung der Handschrift,
- den Weg von der Kurrentschrift zur Sütterlinschrift,
- Ludwig Sütterlin und seine Idee einer einheitlichen Schulschrift,
- die Einführung der Schrift in deutschen Schulen,
- das Verschwinden der Sütterlinschrift aus dem Unterricht,
- ihre heutige Bedeutung für die Ahnenforschung,
- typische Schwierigkeiten beim Lesen alter Handschriften.
Dabei geht es nicht nur um die reine Geschichte der Schrift. Das Buch soll vor allem Mut machen, sich selbst mit alten Texten zu beschäftigen.
Das vollständige Sütterlin-Alphabet
Ein besonderer Bestandteil des Buches ist die übersichtliche Darstellung des Sütterlin-Alphabets. Die Groß- und Kleinbuchstaben werden einzeln und deutlich vergrößert gezeigt. Unter jedem Zeichen steht der entsprechende Buchstabe in heutiger Druckschrift.
Ergänzt wird die Übersicht durch:
- die Umlaute Ä, Ö und Ü,
- Hinweise zu leicht verwechselbaren Buchstaben,
- die Unterscheidung zwischen e und n,
- die besondere Kennzeichnung des Buchstabens u,
- das lange s und das runde Schluss-s,
- den historischen Verdoppelungsstrich bei m und n,
- praktische Hinweise zur Stiftführung und zum Schreiben der Buchstaben.
Das Alphabet befindet sich sowohl im eigentlichen Lernteil als auch noch einmal vollständig als Anlage am Ende des Buches. Dadurch kann die Anlage separat ausgedruckt und beim Entziffern alter Dokumente neben den jeweiligen Text gelegt werden.
Sütterlin lesen bedeutet vergleichen
Eine gedruckte Buchstabenübersicht ist eine wichtige Hilfe – sie allein löst jedoch noch nicht jedes Rätsel. Menschen schrieben früher ebenso unterschiedlich wie heute. Manche Handschriften waren sauber und gleichmäßig, andere eng, flüchtig oder schwer lesbar.
Hinzu kommen verblasste Tinte, beschädigtes Papier, ungewohnte Abkürzungen und alte Schreibweisen. Auch Kurrent- und Sütterlinformen wurden in der Praxis nicht immer eindeutig voneinander getrennt.
Deshalb ist beim Lesen alter Dokumente der Zusammenhang besonders wichtig. Oft erkennt man ein Wort nicht Buchstabe für Buchstabe. Erst der übrige Satz, ein bekannter Familienname, ein Ortsname oder ein typischer Ausdruck in einem Kirchenbucheintrag führt zur richtigen Lösung.
Mit jeder gelesenen Zeile entwickelt sich jedoch ein besseres Gefühl für die Schrift und für die Eigenheiten des jeweiligen Schreibers.
Besonders wertvoll für die Ahnenforschung
In der Ahnenforschung kann die Fähigkeit, alte Handschriften zu lesen, entscheidend sein. Zahlreiche Informationen über unsere Vorfahren befinden sich noch immer in handschriftlichen Quellen:
- Geburts- und Taufeinträge,
- Heiratsurkunden,
- Sterbe- und Beerdigungseinträge,
- Melderegister,
- Familienbriefe,
- persönliche Aufzeichnungen,
- Schul- und Militärunterlagen.
Wer diese Dokumente selbst lesen kann, ist nicht ausschließlich auf fremde Abschriften angewiesen. Außerdem lassen sich Fehler oder missverständliche Übertragungen leichter erkennen.
Manchmal besteht der entscheidende Unterschied nur aus einem kleinen Haken, einem zusätzlichen Bogen oder einem kaum sichtbaren Strich. Gerade deshalb lohnt es sich, die wichtigsten Buchstabenformen zu kennen.
Kein wissenschaftliches Lehrbuch, sondern eine praktische Hilfe
Unser kleines Sütterlin-Buch erhebt nicht den Anspruch, ein umfassendes wissenschaftliches Werk über die Geschichte der deutschen Handschriften zu sein. Es soll vielmehr eine verständliche und praktische Einführung bieten.
Es richtet sich an Ahnenforscher, Heimatforscher und alle, die alte Briefe, Urkunden oder Familienunterlagen nicht länger ungelesen zur Seite legen möchten.
Niemand muss die gesamte Schrift sofort beherrschen. Am Anfang genügt es, einzelne Buchstaben wiederzuerkennen und erste Namen oder kurze Wörter zu entziffern. Mit etwas Geduld werden aus scheinbar fremden Zeichen nach und nach vertraute Buchstaben.
Und irgendwann entsteht aus den Linien, Bögen und Haken wieder das, was sie ursprünglich waren: eine Nachricht aus der Vergangenheit.
Das Buch als PDF
Das Sütterlin-Buch steht auf unserer Webseite als PDF zur Verfügung. Es kann am Bildschirm gelesen oder für den persönlichen Gebrauch ausgedruckt werden. Sie können es hier online lesen oder bequem als pdf herunterladen.
Besonders die Alphabetanlage eignet sich dazu, beim Lesen historischer Dokumente griffbereit daneben zu liegen.
Wir wünschen viel Freude beim Lesen, Entdecken und Entziffern – und vielleicht gelingt mit Hilfe des Buches schon bald der Zugang zu einem Dokument, das zuvor unlesbar erschien.


















