Mein 15. Urgroßvater

Bei der Ahnenforschung findet man oft nur Namen, Jahreszahlen und Orte. Manchmal aber taucht ein Vorfahr in alten Quellen so deutlich auf, dass man mehr über sein Leben erfährt. So ist es bei Jakob Gerhard Hauth. Er war Pfarrer in Wolf bei Traben an der Mosel und gehört zu meiner direkten Vorfahrenlinie. Über 15 Generationen bin ich mit ihm verwandt. Er ist mein 15. Urgroßvater.

Jakob Gerhard Hauth wurde nach den vorliegenden Angaben am 1. November 1541 in Litzig geboren. Seine Eltern waren Johannes Hauth und Agnes Peters. Gestorben ist Jakob Hauth am 4. November 1619 in Traben. Damit wurde er 78 Jahre alt. Diese Angaben passen gut zu einer alten kirchengeschichtlichen Quelle. Dort wird berichtet, dass er im Jahr 1608 bereits 68 Jahre alt war.

Von 1584 bis 1617 war Jakob Hauth Pfarrer in Wolf. Das ist eine sehr lange Amtszeit von mehr als drei Jahrzehnten. In dieser Zeit war ein Pfarrer nicht nur für den Gottesdienst zuständig. Er predigte, taufte, unterrichtete die Kinder im Glauben, besuchte Kranke und achtete auf das religiöse Leben in der Gemeinde.

Wolf lag damals in einer Zeit des religiösen Umbruchs. Die Reformation hatte die kirchlichen Verhältnisse verändert. Vieles war evangelisch geworden, aber alte katholische Gewohnheiten bestanden weiter. Dadurch kam es immer wieder zu Spannungen. Jakob Hauth stand als evangelischer Pfarrer mitten in diesen Auseinandersetzungen.


Sein Amt in Wolf

Jakob Hauth übernahm die Pfarrstelle in Wolf im Jahr 1584. Vor ihm war dort Johann Porta Pfarrer. Dieser tauschte seine Stelle mit Jakob Hauth. So kam Hauth nach Wolf und blieb dort bis 1617.

Aus der Quelle erfährt man, dass seine Arbeit regelmäßig überprüft wurde. Solche Überprüfungen nannte man Visitationen. Dabei wurde geschaut, ob ein Pfarrer seine Aufgaben ordentlich erfüllte. Befragt wurden unter anderem Vertreter der Gemeinde, der Schulmeister und andere Amtspersonen.

Bei Jakob Hauth gab es Lob, aber auch Kritik. Das macht ihn als Menschen besonders greifbar. Er erscheint nicht als perfekter Heiliger, sondern als echter Mensch mit Stärken, Schwächen und Konflikten.


Beschwerden und Streit

In den Jahren 1591 und 1598 gab es Beschwerden gegen Jakob Hauth. Der Schaffner Obenlauch warf ihm vor, er komme nicht regelmäßig genug zur Morgenpredigt in der Mutterkirche auf dem Kloster. Außerdem hieß es, er halte sich gern in Wirtshäusern auf.

Wichtig ist aber: Die Beurteilung war nicht nur negativ. Die Zensoren hatten ihm im Jahr 1591 ein gutes Zeugnis gegeben. Auch 1598 wurde nicht behauptet, dass er sich bei Feiern maßlos verhalten habe. Im Gegenteil: Es wurde gesagt, er liebe zwar den Wein, gehe aber bei Kindtaufen und anderen ehrlichen Gelagen rechtzeitig nach Hause.

Das klingt sehr menschlich. Jakob Hauth war offenbar kein weltfremder Pfarrer. Er nahm am Leben der Gemeinde teil. Zugleich wurde aber festgehalten, dass er dabei Grenzen kannte.

Ein besonderer Streit entstand mit dem Schaffner Obenlauch beziehungsweise dessen Familie. Die Quelle berichtet, Hauth habe mit der Frau des Schaffners Streit gehabt. Der Grund war vermutlich ein Mönch aus einem St.-Jakobs-Kloster, der für die Frau des Schaffners und deren Tochter eine Messe lesen wollte. Beide waren offenbar katholisch. War daher die Beurteilung nicht durch religiöse Animositäten begründet?

Daran erkennt man gut die religiöse Spannung dieser Zeit. Jakob Hauth war evangelischer Pfarrer. Er sah es als seine Aufgabe, katholische Praktiken in seiner Gemeinde zurückzudrängen. Für die betroffenen Menschen war das sicher nicht leicht. Für Hauth aber gehörte es zu seinem Amt.


Die positive Beurteilung von 1608

Besonders interessant ist die Visitation des Jahres 1608. Dort wurde Jakob Hauth deutlich besser beurteilt. Der Schulmeister erklärte, der Pfarrer sei in seinem Amt fleißig, sogar mehr als früher. Er führe einen christlichen Lebenswandel.

Auch die Zensoren äußerten sich positiv. Sie sagten, Jakob Hauth predige zur richtigen Zeit, halte fleißig Kinderlehre und gebe den Zuhörern ein gutes Beispiel. Außerdem wurde erwähnt, dass er auch ältere Gemeindemitglieder in die Glaubensunterweisung einbezog.

Die Quelle schildert sogar eine Predigt. Zuerst wurde der 15. Psalm gesungen. Danach legte Jakob Hauth den ersten Psalm aus: „Wohl dem, der nicht wandelt.“ Die Auslegung wurde als schlicht, ordentlich und verständlich beschrieben.

Das ist ein schönes Bild. Man sieht Jakob Hauth förmlich auf der Kanzel stehen. Er war kein berühmter Reformator und kein großer Kirchenfürst. Er war ein Dorfpfarrer an der Mosel, der seiner Gemeinde die Bibel erklärte.


Seine Familie

Jakob Gerhard Hauth war zweimal verheiratet. Seine erste Ehefrau war Louisa Margaretha Schwebel. Nach ihrem Tod heiratete er Lucia Rinck. Die zweite Ehe wurde am 8. Januar 1584 in Wolf geschlossen. Das war genau das Jahr, in dem Jakob Hauth auch Pfarrer in Wolf wurde.

Aus seinen Ehen gingen nach den vorliegenden Angaben sechs Kinder hervor. Damit war Jakob Hauth nicht nur Pfarrer, sondern auch Ehemann und Vater.

Das ist für die Zeit nach der Reformation besonders wichtig. Evangelische Pfarrer durften heiraten und eine Familie haben. Sie sollten nicht abgeschieden vom normalen Leben stehen, sondern selbst als Hausväter und Gemeindeglieder leben. Jakob Hauth passt genau in dieses Bild des evangelischen Pfarrers.


Das Alter und das Ende seiner Amtszeit

Im Jahr 1608 war Jakob Hauth bereits 68 Jahre alt. Für die damalige Zeit war das ein hohes Alter. Später ließen seine Kräfte nach. Im Jahr 1616 wurde deshalb darüber gesprochen, die Pfarrstelle mit einem jüngeren und kräftigeren Theologen zu besetzen.

Man wollte ihn zunächst noch im Amt lassen, wenn andere Pfarrer aus der Nachbarschaft ihn unterstützen konnten. Doch schließlich wurde die Stelle neu vergeben. Im Jahr 1617 übernahm Magister Johann Kirchbauer die Pfarrei Wolf.

Jakob Hauth erhielt am 21. Mai 1617 die Weisung, das Pfarrhaus für seinen Nachfolger zu räumen. Das wirkt heute hart. Nach über 30 Jahren Dienst musste der alte Pfarrer sein Haus verlassen. Eine Versorgung aus den Pfarr- oder Klostereinkünften wurde ihm offenbar nicht zugesprochen.

Nach den familiengeschichtlichen Angaben starb Jakob Gerhard Hauth zwei Jahre später, am 4. November 1619 in Traben.


Warum Jakob Hauth für meine Familiengeschichte bedeutend ist

Jakob Gerhard Hauth ist für meine Ahnenforschung ein besonderer Vorfahr. Er ist nicht nur ein Name in einer langen Liste. Durch die alte Quelle wird sein Leben sichtbar.

Man erfährt, woher er kam, wo er wirkte, wie lange er Pfarrer war, welche Konflikte er hatte und wie er beurteilt wurde. Man sieht ihn als Prediger, Lehrer, Ehemann, Vater und alten Mann, der nach vielen Jahren sein Amt verlor.

Er lebte in einer schwierigen Zeit. Die Reformation war noch nicht einfach abgeschlossen. In den Gemeinden gab es weiterhin katholische Einflüsse und religiöse Spannungen. Jakob Hauth musste als evangelischer Pfarrer in dieser Lage seinen Weg finden.

Für mich ist besonders bewegend, dass diese Verbindung über 15 Generationen reicht. Jakob Gerhard Hauth ist mein 15. Urgroßvater. Zwischen seinem Leben und meinem liegen mehr als 400 Jahre. Und doch wird durch solche Quellen eine Verbindung spürbar.

Er war kein berühmter Mann der großen Geschichte. Aber er war ein Mensch mit Verantwortung, Familie und Glauben. Er stand über drei Jahrzehnte als Pfarrer in Wolf an der Mosel. Seine Spur ist bis heute erhalten. Genau das macht ihn für meine Familiengeschichte so wertvoll.